"Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück."
- Laozi

Rechtswissenschaft

Rechtswissenschaft bzw. Jurisprudenz ist eines der vier klassischen Universitätsfächer neben der Medizin, Philosophie und Theologie. Sie war bereits auf den ersten mittelalterlichen Universitäten (Italien, 11. Jh) eines der drei frühesten eingerichteten Studienfächer (Medizin, Kirchen- und weltliches Recht) und bildete auch während der Universitätsgründungswelle im 12. Jh. in Frankreich und England eine der wichtigsten Fakultäten. Zu den Disziplinen der Rechtswissenschaft gehören die Rechtsdogmatik sowie die Exegese juristischer Texte, die Rechtsgeschichte, Rechtssoziologie, Rechtsphilosophie sowie juristische Methodenlehre, wobei in den Bereichen Grundlagen, Öffentliches Recht, Strafrecht und Zivilrecht unterrichtet wird. Schwerpunkt des juristischen Studiums bildet die Exegese des Bürgerlichen Gesetzbuchs, des Strafgesetzbuchs, des Verfahrensverwaltungsgesetzes (VwVfG) und der Verwaltungsgerichtsordnung(VwGO).

Insgesamt bieten in Deutschland 32 Fakultäten der Universitäten einen oft modularisierten Rechtswissenschaft-Studiengang an. Zu den Studienzielen zählt die Ausbildung kritischen und rationalen juristischen Handelns sowie die Schärfung des Verständnisses für die Verbindung zwischen den Rechtswissenschaften und den Sozial-, Wirtschafts-, Politik- und Geschichtswissenschaften. In Bezug auf die Praxisnähe werden Kenntnisse vermittelt, die zur Ableistung des juristischen Vorbereitungsdienstes befähigen sowie häufig – je nach Schwerpunktsetzung auf Forschung oder Praxisnähe der jeweiligen Fakultät – die Grundlagenvermittlung rechtsberatender Tätigkeiten. Zu den Inhalten des Studiums der Rechtswissenschaft zählen auch die Schlüsselqualifikationen Rhetorik, Mediation und Verhandlungsmanagement sowie oft auch Vermittlung von Kenntnissen der Bilanzkunde und Buchhaltung. Die reguläre Studienzeit beträgt viereinhalb bis fünf Jahre, die mit einer ersten Prüfung und darauffolgendem zweijährigen Rechtsrefendariat beendet ist, da Studium und Referendariatszeit als Einheit begriffen werden. Die sogenannte Erste Prüfung besteht aus zwei Teilen: zu einem Drittel setzt sie sich aus einer universitären Schwerpunktprüfung zusammen, zu zwei Drittel aus der Ersten Juristischen Staatsprüfung mit mündlichem und schriftlichen Teil.

Bedingung für das Richteramt ist jedoch das Bestehen des Großen Staatsexamens, dem eine zweijährige Vorbereitungszeit vorangeht. Auch die Befähigung für den höheren Dienst als Beamter (u.a. Regierungsrat und Oberverwaltungsrat) sowie außerhalb des öffentlichen Dienstes als Notar und Rechtsanwalt erreichen die Anwärter erst mit bestandenem Großen bzw. Zweiten Staatsexamen.

Auch an Fachhochschulen werden Studiengänge der Rechtswissenschaft angeboten, jedoch hängt hier die Anerkennung des Abschlusses für den höheren Dienst von der genauen Akkreditierung des Studiengangs ab. Neben dem regulären Präsenzstudium an einer Universität oder Fachhochschule kann Rechtswissenschaft auch im Fernstudiengang an der Fernuniversität Hagen studiert werden, wobei sowohl der grundständige Studiengang mit einem Abschluss als Bachelor of Laws als auch der konsekutive Studiengang Masters of Laws angeboten wird.